Unsere Philosophie

Und jetzt auch noch Philosophie! Als ob nicht schon genug, geredet, vermutet oder vorhergesagt würde. Was hat denn Philosophie mit „universeller Kultur“ zu tun? Das hängt davon ab, was man unter Philosophie versteht. Unzweifelhaft ist die Philosophie das Ergebnis einer Aktivität von Personen. Die Personen nennt man gemeinhin Philosophen oder Philosophinnen und deren in diesem Zusammenhang relevante Aktivität „Philosophieren“. Philosophieren ist nichts anderes als personales Denken und das ist wiederum nichts anderes als personale InformationsVerarbeitung. Ich verarbeite Informationen, die ich erfahre, die ich einordne und  – gegebenenfalls – in meinem Gehirn speichere. Wie, was und worüber ich denke, vorausdenke, nachdenke, spielt keine Rolle.

Wenn es logisch ist und zu plausiblen Ergebnissen führt, dann war es „philosophieren“. Damit man ab nicht nur mit Worten klingelt, sondern zu Erkenntnissen kommt, die man anderen mit Aussicht auf deren Verständnis mitteilen kann, ist es wichtig, sich mit den verwendeten Begriffen, deren Bedeutung und auch deren Bezeichnung zu befassen. Und genau darum soll es in dieser Rubrik gehen: um die Klärung der Begriffe, die mit universeller Kultur zusammenhängen, zu allererst dem dem Begriff der universellen Kultur selbst. ORTNER hat dieses Vorgehen als „semantisches Philosophieren“ genannt. Das sollte vor jedem MeinungsAustausch und vor jeder MeinungsBildung stehen. Fehlt aber in vielen Diskussionen und – leider auch – im öffentlichen Diskurs. Fangen wir damit an.

Philosophia vincit omnia.

Alles, was der Mensch denken kann,
Haben Menschen schon gedacht.

Alles, was der Mensch sagen kann,
Haben Menschen schon gesagt.

Alles, was der Mensch schreiben kann,
Haben Menschen schon geschrieben.

Aber nicht alles wurde auch gelesen,
Aber nicht alles wurde auch gehört,
Und das wenigste wird bedacht.

Seid unverzagt!

Schreibt weiter auf,
Was die Menschen lesen sollen,
Auch wenn sie es nicht lesen wollen.

Sagt weiter laut,
Was die Menschen hören sollen,
Auch wenn sie es nicht hören wollen

Und befreit euer Denken von allen Fesseln,
Die euch Menschen anlegen wollen.

Das ist die Aufgabe,
Das ist die Chance,
Das ist der Sinn.

Erich Rentrow

Über Freundschaft

von Gerhard Stroh

Neben Liebe ist“eines Freundes Freund zu sein“das Wichtigste,  was  Menschen im Leben finden können. Friedrich Schiller beschreibt 1798 in der Ballade Bürgschaft die Geschichte einer bewegenden Männerfreundschaft. Früher, als die Schule noch kein Ort der Anstrengunsvermeidung war, lernten Kinder diese und andere Balladen, Lieder und Gedichte auswendig.

Einen zum Tod verurteilten Widerstandskämpfer (Demos) wird gestattet ,vor seiner Hinrichtung auswärts Familienangelegenheiten zu regeln, vorausgesetzt, er stellt einen Bürgern, der statt seiner den Tod erleiden muss, wenn er nicht zur festgesetzten Zeit zu seiner Hinrichtung erscheint. Sein Freund Phintias bürgt für Damos.Damos schafft es nach Überwindung vieler Widrigkeiten auf der Rückreise gerade noch rechtzeitig, um seine Strafe zu erleiden und den Freund zu retten. Der Tyrann ist beeindruckt von dieser Freundschaft und fleht „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bund der dritte“

 Das Ideal der Freundschaft ist uralt. Das ist verständlich. Macht ist vergänglich, Erfolg kurzlebig und dauert nur so lange wie geklascht wird. Pythagoras (wir erinnern uns vielleicht:  a Quadrat plus b Quadrat = c Quadrat) war nicht nur ein Mathematiker , sondern auch Philosoph und Begründer einer Gemeinschaft, der  Pythagoreer. Damos und Phintias waren Pythagoreer. Der Tyrann war Dyanos von Syrakus. Über Cicero kannte Schiller die Geschichte und brachte sie in Verform.

 Freundschaft bedeutet also: füreinander einstehen und zwar nach Michèle de Montaigne mit verlässlicher Liebe,  wie er in seinem großen Essay über Freundschaft darlegt, mit dem er seinem toten Freund Etienne de la Boétie ein unzerstörbares  Denkmal setzte.

Auch linguistische `Überlegungen zum Thema weisen in Montaignes Richtung:

amica-amicus (Freundin und Freund), die Worte enthalten das Verb „amare“, lieben. Eine amica oder ein amicus ist ein Mensch, den man liebt, der zumindest sympathisch ist.

In chinesischer Sprache heißt Freundschaft „peng you“, in der chinesischer Bilderschrift sehen wir 2 Vollmonde und zwei Hände, die sich halten. Also: Freunde halten und stützen sich, helfen einander.

Die russische Sprache hat folgende Ableitung : druzba von drugo, der andere, druzhinik, der Gefolgsmann, mit dem ich verbunden bin. So die russische Sprache für Freundschaft.

Freundschaft ist also beschreibbar, aber nur unzulänglich.;denn die emotionale Seite ,die Gefühle ,die Gesten, die die Freundschaft zwischen zwei Menschen wechselseitig tragen, sind benennbar, aber ihre Bedeutung kann nur im Erleben realisiert werden. Das gilt auch für ein Element der Freundschaft, das auch für andere Beziehungen unerlässlich ist, sollen sie glückhaft sein: Verlässlichkeit.

 Während  der gesamten Gymnasial-Zeit saß der Verfasser neben Franz -August auf der Schulbank.Wir mochten uns, halfen uns wo wir konnten(ohne die Unterstützung wäre der Verfasser in der Schule wohl gescheitert), lasen gleiche Bücher(Lederstrumpf, Karl May , Sigismund Rüstig),v erbrachten unsere Freizeit zusammen ,und unternahmen anfangs der 50iger Jahre unsere ersten Auslandsreisen, was damals selten und abenteuerlich war.

Die erste Reise führte uns nach Basel, im Kunstmuseum standen wir erschrocken vor Kokoschkas Bild „Die Windsbraut“. Wir ahnten die Verzweiflung eines unglücklich Liebenden. Das Bild weckte unser Interesse an Bildern bis zum heutigen Tag.

Wir verstanden uns auf der Reise so gut, dass wir Jahr darauf per Anhalter kreuz und quer durch Oberitalien trampten, eifrig in Florenz und Venedig die Museen besuchten und unter den leuchtenden Sternenhimmel der Toskana rätselten, ob tatsächlich ein gütiger Vater über diesem Himmel  wohnt. Nach dem Abitur verloren wir uns allmählich aus den Augen, kamen nach 70 Jahren zufällig wieder zusammen, mochten uns, stellten fest, dass wir in der Zwischenzeit immer noch die selben Schriftsteller  gelesen hatten, auch solche, die nicht auf der Bestsellerliste stehen wie Erich Mühsam oder Otto von Hentig, stellten erstaunt fest, dass schon unsere Urgroßväter befreundet waren und, dass wir wie früher im Einklang denken, nur in eine etwas andere Richtung.

Freundschaft kann  wie eine  große Liebe zerbrechen. Während der Studienzeit war ich mit einem Kommilitonen eng verbunden. Wir bereiteten uns gemeinsam auf alle Examina vor, fanden uns in der Musik(Schubert), wanderten durch die verschneite Röhn.  Er galt als Finanzgenie, so vertraute ich mein erst verdientes Geld an und das meiner Mutter. Statt es zu hüten und zu vermehren, verspielte er den Familienschatz. Es gelang mir nicht die Enttäuschung zu überwinden. Nach der Einschätzung einer der sieben Weisen des antiken Griechenlands Chilon von Sparta (ca. 500 vor Chr.) ist die Überwindung einer Enttäuschung eines der drei schwersten Dinge im Leben. Die andern beiden sind nach Chilon : ein Geheimnis für sich zu behalten und seine Freizeit sinnvoll zu gestalten.

So fühlte sich der Verfasser etwas entlastet, beschloss aber als illusionsloser Skeptiker die ersten vier Zeilen von Gottfried Benns Gedicht „Melancholie“ zu wählen :

Wenn man von Faltern liest, von Schilf und Immen, dass sich darauf ein schöner Sommer wiegt, dann fragt man sich, ob diese Glücke stimmen und nicht dahinter eine Täuschung liegt.

 In der Zeit meiner Trauer um die Freundschaft und Wut auf den treulosen Freund begann ein Gespräch mit einem Kollegen, dass bis heute, nach fünfzig Jahren, nicht versiegte. Zunächst drehten sich die Gespräche um Berufsthemen, etwa über Chancen und Risiken der damals neuen Medien.Später, als er einen Ruf als Ordinarius an einer Universitär angenommen hatte, weiteten sich die Themen, so dass wir uns in Philosophie, Poesie, Musik Kultur fanden, prüften und vergewisserten. Gerhard -Erich wurde zum Freund, ja, um mit Montaigne zu sprechen, zum zweiten Ich.

 Franz August und Gerhard Erich vermittelten das, wonach sich jeder Mensch sich sehnt und bei Glück in der Kindheit hatte: Die Gewissheit bedingungslos angenommen zu sein

LebensVerläufe

Von den traditionellen Generationen und den aktuellen Kohorten

von Gerhard Erich Ortner

Seit Generationen spricht und schreibt man über „Generationen“: besonders gerne über die jeweils „neue“ Generation, die stets mit der „alten“, das ist die unmittelbar davor liegende Generation im Clinch liegt. Nicht zuletzt aufgrund des beklagten Versagens der „alten“ liegen auf der – wiederum jeweils – neuen Generation alle Hoffnungen, dass die Fehler, die die älteren Generationen seit Generationen allesamt gemacht, wenigstens aber nicht vermieden haben, endlich nicht mehr gemacht werden. Generationen haben dies erkannt, selbst versucht, von anderen gefordert. Sie sind doch immer wieder gescheitert.

Grund genug, sich eimal mit dem Begriff „Generation“, mit dessen Bezeichnung und Bedeutung, und dem der „Generationen“ etwas genauer zu befassen. Zumal er ja neuerdings wieder in der öffentlichen Diskussion, also dem MeinungsAustausch der LebeWesen vom Typ Mensch und deren kulturellen Vollentwicklung, der Personen, auftaucht. Auch der Diskurs, die Meinungsbildung, nicht nur aber in besonderem Maße in den alten und neuen Multi&MassenMedien angeführt, hat die Bezeichnung wieder entdeckt. Manchmal begegnen wir die Bezeichnung auch mit neuen Bedeutungen:
Sind sie von Geburts wegen Angehörige der KriegsGeneration oder gehören sie zur Generation der BabyBoomern.
Gehören ihre Kinder und Enkelkinder der Generation X, Y oder Z an, weil sie in bestimmten Jahren geboren wurden, für deren zur Welt gekommenen Nachwuchs publizierenden SozialKundlerInnen, die sich als WissenschaftlerInnen definieren, die „generationsterminologische“ Zuordnung der Nachkömmlinge festgelegt haben?

Festgelegt wurde und wird aber nicht nur die Bezeichnung der GeburtsJahrgänge. Auch deren Einstellung und Verhalten wird pauschal definiert und plakativ publiziert.

So gelten die BabyBoomer, das sind nicht die Eltern, die den BabyBoom in der WiederaufbauZeit nach dem zweiten Weltkrieg biologisch verursacht haben, sondern deren Nachwuchs, als strebsam, aufstiegsorientiert, optimistisch, fleißig, ordentlich – progressiv in der Erarbeitung des eigenen Wohlsandes, konservativ im Erhalt desselben. Sie vertreten einen Gerechtigkeitsbegriff, der durch eine Balance von Leistung und Gegenleistung definiert ist: Sie sind Anhänger der LeistungsGerechtigKeit.

Die Angehörigen der nachfolgenden Generationen X,Y und Z sind eher Verfechter einer ExistenzGerechtigkeit: Alles, was einmal „zur Welt gekommen ist“, also existiert, muss gleich behandelt werden, unabhängig davon wie es sich entwickelt und verhält. Das bedeutet allerdings mutatis mutandis „Gleichheit bei gleichzeitiger Diversität in allem“.
Dieser aktuelle, ohne Zweifel hochmoralischer GrundSatz macht es nicht leichter.

Sie sehen schon, der Begriffe der „Generation“ ist nicht so eindeutig, Wie man es beim ersten Hinhören meinen möchte. Vielleicht hilft ein Blick in der Vergangenheit und der Sprache, an die wir uns erinnern oder die wir nachlesen können. Das traditionelle System der Generationen orientierte sich am Lebensalter und der Positionen der Personen in den Familien: Im Zentrum standen Vater und Mutter – die Generation der Eltern-.Vor ihnen marschierten die GroßEltern und die UrGroßeltern als „alten“ Generationen, nach ihnen, die Kinder, Enkelkinder und die Urenkelkinder als die neunen“. Entsprechend der im Vergleich zu heute erheblich geringeren LebensErwartung legte man – natürlich etwas willkürlich – die Dauer ein Generation mit dreißig Jahren fest. Diese „Systematik“ gilt im Bewusstsein und SprachVorrat der meisten Menschen auch heute noch.

An Stelle der willkürlich an der Lebenserwartung orientierten Systematik möchte ich eine Struktur vorschlagen, die sich an der personalen Entwicklung der LebeWesen vom Typ Mensch und ihrer Position in der Gemeinschaft, also in der Gruppe, der „Blase“, der Gemeinde, im Staat, in der „Welt“ (als globale Gemeinschaft) orientiert. Es geht mir nicht in erster Linie um das jeweilige Lebensalter, also eine biologischen Größe, sondern um das personale Leistungspotenzial (Was wir tun können) und die personale Befindlichkeit (Was wir tun oder verhindern wollen). Meine Überlegungen münden in ein – wie ich es nenne – „WachstumsKonzept der AltersKohorten“.

Ich bilde „ideellen“, von mir vermuteten Gruppen nach ihrem personalen, biologischen und nousologischen, also körperlichen und geistigen Wachstum, und ihren Ansprüchen und Leistungen für die Gemeinschaft(en). Ich verwende die Bezeichnung „Kohorte“, weil sie an das Bild von gemeinsam in einer gemeinschaftlich für richtig gehalten bzw. empfundenen Richtung marschieren – „bewaffnet“ mit AntriebsEnergie und ZielOrientierung, Anspruch und Widerspruch, EinzelLeistung und GemeinschaftsGefühl.

Ich gehe bei meiner neuen Benennung und Strukturierung der Generationen, die ich „Kommunikative KohortenKonzeption“ nenne, von einer zum gegenwärtigen ZeitPunkt plausiblen voraussichtlicher LebensErwartung in den kulturell voll entwickelten Gemeinschaften („Staaten“) von 100 Jahren aus und teile diese GeamtLebensZeit in fünf Abschnitte zu je zwanzig Jahren. Die Menge der LebeWesen vom Typ Mensch bzw. Personen, die zu einem Zeitpunkt in diesen Abschnitten leben, nenne ich „Kohorte“, Die Mitglieder einer Kohorte sind durch bestimmte LebensErwartungen und SituationsErlebnisse charakterisiert. Natürlich sind die Grenzen zwischen den Kohorten flexible bzw. durchlässig und können durch Personen über- oder unterschritten werden. Die Bezeichnungen deuten eine Orientierung der KohortenPopulation an. Die inhaltliche Füllung, die Bedeutung, könne und sollen sie selbst vornehmen.

Lebensalter 00 – 20: Kohorte der „Nachwachsenden“:
werden den Angehörigen der zeitlich vorhergehenden Kohorten („ErzieherInnen“) „nachgebildet“.

Lebensalter 20 – 40: Kohorte der „Heranwachsenden“:
teilen sich in die Gruppe der Evolutionäre („adaptiven Fortsetzer“) und Revolutionäre (disruptive) Veränderer

LebensAlter der 40 – 60: Kohorte der „Erwachsenen“:
die Gruppe der Personen, die Macht über andere LebeWesen vom Typ Mensch haben und/oder ausüben (können)

Lebensalter 60-80: Kohorte der „Ausgewachsenen“:
LebeWesen vom Typ Mensch und Personen, die sich mit ihrer Position in den Gemeinschaften, denen sie angehören, zurecht gefunden haben und sie – mehr oder wenig akzeptieren, alternativ resignieren.

Lebensalter 60-99: Kohorte der „Entwachsenen“:
LebeWesen vom Typ Mensch, die ihren „LebensAbend genießen“, ihre körperliche Einschränkungen und seelischen Beschwerden bekämpfen, sowie ihre Bedeutungslosigkeit in der Gemeinschaft ertragen und sich über Betreuung und Beschäftigungen freuen.

Hier ist das Konzept, das ich entwickelt habe und ihnen gerne zu Verfügung stelle. Das gesamtheitliche, das nachhaltige und universelle Nachdenken darüber und das Weiterdenken ist eine mögliche Aufgabe für alle, die das KUKw3-Anliegen verstanden und es umsetzen und weiterentwickeln wollen
.
Dazu lade ich sie herzlich ein. Unser WEBAuftritt ist auch ihre Bühne. Schreiben Sie – kurz und bündig, zwischen einer halben Seite und maximal 1.500 Zeichen. KUKw3-Mitglieder können noch schreiben und lesen. Auch längere Texte und Hauptsätze mit Nebensätzen.

Sie sollten es auch tun.

KUKw3-FotoBlock:

Die WeltBewohner ziehen in fünf AltersKohorten durch ihr Leben. Sie sollten mehr miteinander reden.

No problem ?

Der Priester hat kein Problem,

Der Philosoph vermutet ein Problem,

Der Psychologe verwirrt das Problem,

Der Professor erklärt das Problem,

Der Politiker benutzt das Problem,

Der Praktiker löst das Problem.

Der Mensch?….

                         …Ist das Problem!

Gero Friedrich

Paderborn 2024