Unser SchnellSchuss

vom 14. März 2024

Des Volkes VorUrteile gegenüber seinen gewählten VertreterInnen

Wenn einem oder einer eine Politikerin oder ein Politiker, wie divers die auch immer sein mögen, nicht gefällt, dann mäkelt man dieser Tage nicht so sehr über ihre Auftritte im Parlament. Auch das Aussehen oder der Sprachstil und – in allzu viel Fällen – selbst nicht die politischen Ansichten, die sie von sich geben, werden kritisiert. Immer wieder hört und liest man des Volkes Meinung: Was hat sie, was hat er denn eigentlich gelernt, was „geleistet“? Keine Ausbildung angefangen, Studium abgebrochen, nirgendwo etwas Vernünftiges zustande gebracht, irgendwann irgendeiner Partei beigetreten und – schwups – sitzen sie und er schon im Bundestag und erfreuen sich dynamischer Diäten, die sie sich selber genehmigen. Dazu kommen noch allerlei Annehmlichkeiten auf Kosten anderer; in letzter Konsequenz der StaatsbürgerInnen, die „ihre“ PolitikerInnen in den meisten Fällen gar nicht selbst ausgesucht haben, für deren üppiges Auskommen sie freilich nicht unerhebliche Teile ihres Einkommens beim zuständigen Finanzamt regelmäßig abliefern müssen.Sie, die VolksVertreterInnen, haben, so ein weit verbreitete Meinung, nichts Erkennbares gelernt und wenig Erwünschtes geleistet. Und das soll die Demokratie sein, die derzeit so entschlossen verteidigt werden muss?

Was müssen PolitikerInnen eigentlich gelernt und geleistet haben?

Ist das eigentlich nur, in unserem Land bekanntermaßen übliche „Mäkelei“? Oder ist an der Kritik doch etwas dran? Es ist in der Tat – auch für den Bestand und der Begeisterung für die Demokratie – wichtig, dass die WählerInnen von der Kompetenz ihrer KandidatInnen, mehr noch, der schließlich gewählten politischen RepräsentantInnen überzeugt sind. Zumindest – und vorsichtig ausgedrückt – „tendenziell“. Um die politische „Kultur“ im Lande hochzuhalten, müssen auch die VolksVertreterInnen über „kulturelle“ Kompetenzen verfügen – und das bedeutet im Verständnis des KUKw3 – eben nicht (nur) Kompetenzen in der Kunst, sondern auch in Wissenschaft, in Wirtschaft und schließlich in der Politik. Die PolitikerInnen erwerben derzeit die erforderlichen Kompetenten in der Mehrzahl „by doing“. Das ist vielleicht gar nicht das Schlechteste. Politisch interessierte Abiturientinnen, die „Politikwissenschaft“, was immer das ist, studieren, vielleicht sogar mit einem akademischen Grad abschließen, können möglicherweise medienaktive PolitikProfessorInnen werden.  Ob deren, ohne Zweifel hohe Qualifikation den kritischen WählerInnen reicht?