Unser SchnellSchuss

vom 15. Juni 2024

Demokratie: Wissen wir eigentlich genau, was wir wollen?

In diesen Tagen sind wir alle DemokratInnen. Wir kämpfen für die Demokratie, im Netz, auf Plakaten, auf Transparenten, bei Aufmärschen und NachtWachen. Wir fühlen uns als wehrhafte Demokraten und beschwören, dass wir die Demokraten vor ihren GegnerInnen beschützen wollen. Die Feinde der Demokratie sind auch unsere ganz persönlichen Feinde. Wir lieben die Demokratie, keine Frage, aber leben wir sie auch, das ist die Frage! Wer kann sie beantworten? Nur diejenigen, die wissen was die Bezeichnung „Demokratie“ bedeutet, welcher Begriff dahinter steckt. Radikale Demokraten sind überzeugt: Demokratie bedeutet die Herrschaft aller über alle in allem – und zwar überall und jederzeit. Das liest sich gut an, aber kann das auch funktionieren? Alle HerrscherInnen zugleich in allen Fällen Beherrschte? Das wäre die absolute die – terminologisch – „vollkommene Demokratie“. Wenn die Rollen regelmäßig und nach bestimmten Zeitabschnitten getauscht werden, funktioniert das vielleicht – im Ansatz.  Auf die Dauer und in allen Fällen funktioniert das nicht. Wer einmal an einer „BürgerInnenAbstimmung“ – das Wort „Volk“ wollen wir lieber vermeiden – mitgemacht hat, sie gar initiiert und wenigstens bei der Durchführung geholfen hat, weiß, was ich meine.

Demonstration: Wir wissen, was wir auf keinen Fall wollen!

Weil das natürlich nicht nur die politikinteressierten DenkerInnen, die PhilosophInnen der Politik, alle längst wissen, haben die politischen Praktiker die zweitbeste Lösung erfunden: die „repräsentative Demokratie“. Nicht alle  Beherrschten sind auch in allen Angelegenheiten Herrscher. Die Beherrschten wählen aus ihrer Mitte Personen, denen sie die Herrschaft für eine bestimmte Dauer übertragen: Die Beherrschten wählen ihre Herrscher also selber, allerdings nur auf Zeit, und verzichten während dieser auf ihre eigene Macht. Wenn ich das genau betrachte und richtig sehe, folgt auf eine recht kurze Phase der Herrschaft aller, der Wahl, eine weitaus längere, in der die Wähler beherrscht werden, auf die Phase der Demokratie eine Phase der – tja, wie sollte man diese bezeichnen? Wenn man viele gewählt hat, dann wäre die Bezeichnung „Polikratie“ vielleicht angebracht, wenn es nur wenige sind, „Oligarchie“. Und wenn es nur einer oder eine ist, dann sind wir – terminologisch wohlgemerkt – bei der Monarchie oder Monokratie. Ich muss an dieser Stelle abbrechen. Ich muss noch zur Demo! Ob alle meine Gesinnungsfreundinnen, in die ich mich gleich einreihen werde, genau wissen, wofür wir demonstrieren? Ich meine, „ganz“ genau?